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Viele viel Schafe

 

Nach der Abkuehlung und etwas Regen, haben sich die Temperaturen wieder normalisiert. Es waren die letzten Wochen so 30 bis 40 Grad und langsam wird es etwas kuehler. Hier ist ja nun auch mittlerweile Herbst. Na ja es hat in manchen Gegenden schon etwas mehr geregnet und da kann es dann schnell vorkommen, dass man stecken bleibt. Oft bringt der Allradantrieb dann auch nichts mehr, da hilft nur die im Auto eingebaute Winde und ein kraftiger Baum.

16 da bleibt man auch mal stecken

Um warmes Wasser zu haben muessen wir unsere Boiler mit Holz heizen. Tja und das muss auch einer ran schaffen. Gut also durften Ash und ich los fahren und alte Baeume umschubsen, einsammeln und auf den LKW laden. Am naechsten Tag durfte ich dann unsere gesammelten Werke mit einer riesigen Kreissaege in handliche Holzstuecke saegen. Das war nicht immer so einfach, da die Baeume ziemlich unhandlich und sperrig waren. Dabei habe ich mir auch boes den kleinen Finger gequetscht, oh man das hat geblutet. Na ja da kam ein Pflaster rauf und weiter gings.

Da wir nur ein Mal woechentlich Lieferungen bekommen, kann es schon mal sein das etwas nicht mitgeliefert wird. So war es dann auch der Fall, dass kein Hundefutter geliefert wurde und was macht man im Outback kein Hundefutter hat, richtig man geht jagen. Ben hat mich gefragt ob ich mitkommen moechte und nach kurzem Ueberlegen habe ich dann zugesagt. Waehrend der Fahrt habe ich dann mal gefragt wie er denn das Schaf aussucht, was er erschiessen moechte, darauf hin meinte er nur, das Schafe zu viel Wert sind und wir nach Kaenguru oder Emus Ausschau halten. Da wollte ich dann am liebsten wieder nach hause, aber zu spaet. Irgendwann ist uns dann auch ein Roo vor die Flinte gelaufen und nach dem Peng einfach umgefallen. Ben hat dann sein Messer gegriffen und 2 grosse Stuecke Fleisch herausgeschnitten. Das konnte ich mir jedoch nicht angucken. Die Geraeusche haben mir gereicht; wie das Messer das Fleisch durchschneidet und die Knochen brechen. Echt nicht lecker und das naechste Mal fahre ich wohl nicht mit.

Alle paar Wochen muessen auf der Station Schafe geschlachtet werden, damit auch genug Fleisch vorhanden ist. Ich habe gleich angemerkt, dass ich kein Schaf toeten werde und hingucken konnte ich auch nicht. Von dem Gestank mal ganz abgesehen, das ist echt nicht schoen. Nachdem alle Innereien raus waren, kein Kopf und keine Beine mehr am Schaf dran waren, sah es auch nicht mehr wirklich wie ein Schaf aus. Ich durfte dann am darauffolgenden Tag das Fett entfernen, tolle Aufgabe fuer mich, wo ich doch Fett “so liebe“, aber besser als die Tiere selber schlachten zu muessen.

11 sieht kaum noch aus wie ein Schaf

Ich hatte auch schon nicht so schoenen Tag, wo einfach nichts klappen wollte und ich mir unnuetz vorkam, mich alleine gefuehlt habe, meinen MP3-Player verloren habe – bloede Schafe – und dann das Essen ist nicht gut. Doch auch dieser ging vorbei und nach ein bisschen Reden, Heulen und “Farmer wants a Wife“ (Bauer sucht Frau auf Australisch, nur das die Bauern auch gut aussehen) war auch alles wieder gut. Ben und Mel haben mich wieder aufgebaut.

Zum Thema Essen ist zu sagen, das die Koechin, Amy, mal einfach nicht kochen kann. Da gibt es dann auch mal 3 Tage in Folge Gemuese, das in der Mikrowelle erhitzt wird, und dazu entweder fettige Lammkoteletts oder Rippchen. Das ess ich beides nicht und alles was die gute Frau kocht schmeckt nach nichts. Oh ja, das Beste war der Kartoffelsalat, bei dem waren die Kartoffeln so gut wie roh. Igitt!

Ich war froh als Amy und Ash fuer eine Woche nicht da waren und Mel gekocht hat. Das Essen war einfach ein Traum, nicht ein Mal gab es fettige Koteletts, es gab leckeren Nachtisch und zum Mittag gab es nicht nur Sandwichs, sondern koestliche sausage rolls (Hackfleisch im Blaetterteigmantel) oder

kleine pies mit Ruehrei. Das war super lecker.

08 einfach toll

Ben ist manchmal ja auch so witzig. Eines morgens sitzen wir alle am Fruehstueckstisch und ich beisse genuesslich in mein Toast bis ich bemerke das etwas nicht stimmt. Der widerlichste Geschmack, den ich je erlebt habe, macht sich in meinem Mund breit, ich habe das Stueck Toast nur noch ausgespuckt und in den Muell geworfen. Ben hat mir heimlich Vegemite aufs Toast geschmiert. Ganz ehrlich, das Zeug kann man einfach nicht essen. Meine Beschreibung dazu: einfach abartig und ich wuerde es nicht mal essen wenn ich am Hungertod nage. In Australien ist es super beliebt und die Aussis schwoeren auf Vedemite. Mehr Infos koennt ihr hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Vegemite

Vegemite

Es hiess dann ich solle den ganzen Tag auf dem Motorrad verbringen und mit Schafe in einem der Paddocks suchen und zusammen treiben. Erst habe ich gedacht scheisse, doch dann habe ich mich schon darauf gefreut etwas mehr Fahrpraxis zu bekommen. Und was ist, die Technik versagt, das bloede Bike wollte nicht kooperieren. Somit musste ich wieder den Krankenwagen (also das Auto) fahren. Es hatte jedoch auch was Gutes, Missy und Larry mussten den Tag nicht im Zwinger verbringen, sondern durften mit mir durch die Gegend duesen. Larry auf der Ladeflaeche und Missy auf dem Beifahrersitz. Eigentlich faehrt Missy auch auf der Ladeflaeche mit, doch mittlerweile ist sie so fett geworden, das sie nicht mehr aufspringen kann, denn Missy bekommt bald kleine Hundewelpen. Ich bin schon ganz gespannt. Das Witzigste war echt, das Mel genau ein Schaf gefunden hat, ich weiss nicht wie sie es geschafft hat, den der Paddock ist nicht gerade kein. Ich hab mich schlapp gelacht als ich Mel auf ihrem Motorrad gesehen hab, wie sie das Schaefchen durch die Gegend getrieben hat.23 ich aufm Motorrad

Wir sollten auch neue Backpacker bekommen doch leider sind von den 4 nur 2 aufgetaucht und diese werden gerade auf der Commonwealth Hill Station (Hauptstation) gebraucht, da diese gerade dabei ist die Schafe zu scheren. Dort durfte ich dann einen Blick in das shearing shed (Scherschuppen) werfen.Mensch, die scheren die Tierchen auch im Minutentakt. Dann werden die dreckigen Stuecke ausrangiert und danach das Fell nach Dicke sortiert. Leider habe ich nur einen groben Ueberblick bekommen und wenn die Scherzeit auf der Mobella Station beginnt bin ich nicht mehr hier. Zu dieser Zeit komme ich Besuch aus Hamburg. Maike und Nicole moechten auch das wunderschoene Australien bereisen. Ich freue mich schon.

31 hier werden die Schaefchen geschoren

Doch dann war es auch mal soweit, das ich den ganzen Tag auf dem Motorrad sitzen durfte. Wir, Ben und ich, haben Matt und Jeromy (von der Commonwealth Hill Station) beim Mustering geholfen, d.h. ein Flugzeug fliegt ueber einen Paddock und sagt uns wo die Schafe sind und wir treiben diese dann zusammen um sie zumshearing shed zu bringen. Nun gut, erst mal musste ich das Motorrad starten per Kickstart, ein Knopf waere ja auch zu einfach, und dabei habe ich dann gleich mal den Gashebel kaputt gemacht. Den konnte man jetzt vom Lenker abziehen, aber wenn man diesen fest an den Lenker gedreuckt hat funktionierte das Gas noch. So bin ich dann den ganzen Tag gefahren, obwohl ich zwischen durch schon aufgeben wollte. Denn vom ganzen Festhalten und -druecken den Gashebels haben sich schoene Blasen an meiner Hand gebildet und nur noch weh getan. Doch ich wollte nicht aufgeben und habe die Zaehne zusammen gebissen. Ich war so froh als wir am Ziel waren und ich vom Motorrad absteigen durfte.

Es gibt dann hin und wieder auch mal kleine Missverstaendnisse. Neulich meinte Jeromie zu mir “I'll be right back.“ (ich bin gleich zurueck). Darauf hin meinte ich nur, das ich dann hier warte. Nach ca. 30 Minuten kam er wieder und sagte mir das wir jetzt zurueck zu dem Paddock fahren, wo wir vorher waren. Also bin ich los gefahren und er ist mir gefolgt. Dort angekommen fragt mich Ben erst mal ob ich nen Mittagsschlaf gemacht haette. Ich war etwas verdutzt und sagte ihm das Jeromie zu mir meinte, das er gleich zurueck kommt. Nun ja, er meinte nicht zu mir “I'll be right back“, sondern “Follow me back!“ (Folge mir zurueck). Super, die Outback-Ausis sollten aufhoeren so zu nuscheln, aber wir haben alle darueber gelacht.

02 na seht ihr das schwarze Schaf

Jetzt sollten auch eine neue Mitarbeiterin kommen und ein neuer Backpacker. Ich war gespannt ob diese auch wirklich kommen. Eine Woche vor bevor ich die Station verlassen wuerde sind dann Stacy, aus Canberra, und Sofie, aus Schweden, angekommen. Endlich Gesellschaft in meinem Haeuschen. Mel und ich haben die beiden Maedels dann gleich mal mit zum Pelikan Damm genommen und ihnen somit unseren Lieblingsplatz gezeigt. Leider war nicht genug zeit um die beiden besser kennenzulernen.

43 Damm und Windmuehle

Einige Tage vor meiner Abreise sind wir nochmal zum Dogfence rausgefahren und da konnte ich es kaum glauben, ich habe meinen ersten lebenden Dingo gesehen. Zwar nur kurz, denn sobald er das Auto gehoert hat ist er gefluechtet. Um das alles noch abzurunden sind uns dann nochmal 4 wilde Kamele ueber den Weg gelaufen und ich dachte das waren schon viele. Doch dann haben Ben und Stacy erzaehlt, das sie 17 Kamele gesehen haben und leider alle erschossen haben. Nun ja es gibt wohl demnaechst Kamelsteak und Kameljerky (Trockenfleisch) auf der Mobella Station.

66 meine ersten lebenden Kamele

Doch das war noch nicht alles. Einen Tag vor meiner Abreise haben Ben, Stacy und Sofie 2 Thorny Devils (Dornenteufel) mit nach hause gebracht. Super interessante kleine Tierchen. Larry fand die beiden Devils wohl etwas furchteinfloessend auch wenn er viel groesser sie.

52 gleich 2 Throrny Devils

Um es mir noch schwerer zu machen die Mobella Station zu verlassen, hat Missy an meinem Abreisetag 10 super suesse Welpen zur Welt gebracht. Kein Wunder das sie so dick war und wir sie nur noch “fat bitch“ (fette Huendin) genannt haben. Einem der Welpen haben Mel und ich gleich einen Namen gegeben “Spotty Bob“, da er einen kleinen weissen Punkt auf seinem schwarzen Ruecken hat. Ach die kleinen Hundis sind ja so knuffig.

77 Missy mit allen 10 Welpen

Von Ben, Stacy und Sofie habe ich mich schon im Homestead verabschieden muessen. Das ging auch ganz schnell, da Mel und ich schon spaet dran waren. Mit Mel bin ich dann Richtung Bushaltestelle gefahren. Wir haben noch einen Zwischenstopp auf der Commonwealth Hill Station gemacht. Dort haben wir Mary, die Koechin der Station, getroffen und diese hatte Lucy dabei. Lucy ist ein niedliches kleines Baby Kaenguru, was sie mit der Flasche aufzieht. Och, am liebsten haette ich Lucy gleich mitgenommen. Doch das geht ja leider nicht.

82 darf die vorstellen Baby-Roo LucyAn der Bushaltestelle angekommen hatten Mel und ich noch Zeit fuer Sandwichs und ne Cola (meine erste Cola seid 2 Monaten) – grossartig.

Dann hiess es auch bald Abschied nehmen, aber vielleicht nicht fuer immer. Ben und Mel haben mir angeboten, dass ich wieder kommen kann, wenn ich moecht. Na mal gucken. Ich hatte jedenfalls eine tolle Zeit. Jetzt erst einmal die naechsten 3 Wochen mit den Maedels geniessen und wieder neue wundervolle Flecke von Australien erkunden. Ich freu mich auf Maike und Nicole und denke wir werden eine super tolle Zeit haben.

85 Mel und ich

 

Bruederchen, du bist ja nun mittlerweile auch auf deinem Frachter und schipperst ein bisschen um die Welt. Ich wuensche dir ganz viel Spass und mach ja viele Fotos.

 

Ich denk an Euch!

Eure Franzi

 

 

P. S. Wenn jemand mal gaaaaanz viel Langeweile hat und 1 ½ Stunden seines Lebens verschenken moechte kann er sich ja mal “The Human Centerpiece“ (der menschliche Tausendfuessler) angucken. Der bekloppteste “Horrorfilm“ den ich je gesehen habe. Das waren 1 ½ Stunden meines Lebens, die ich nie wieder zurueck bekomme.

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W
<br /> Hallo Franzi,<br /> Deine Berichte sind richtig spannend und einwandfrei geschrieben, man kann sich gut vorstellen was Du erlegt hast. Die Schule hat sich eben doch gelohnt.<br /> Du solltest mal darüber nachdenken, Deine Reise und Deine Erlebnisse in eimen Buch zusammenzufassen. Dein Blog ist dafür schon eine solide Grundlage.<br /> So nach dem Motto "Einmal durch Down Under und zurück".<br /> Ich glaube dass könnte Erfolg haben.<br /> Also mach weiter so.<br /> <br /> <br />
Antworten
F
<br /> <br /> Huhu Daddy,<br /> <br /> <br /> na das kann ich mir ja noch ueberlegen , ist aber auf jeden Fall eine Ueberlegung wert. Wir werden sehen was ich hier noch alles so erlebe und ob es dann fuer ein Buch reicht.<br /> <br /> <br /> Jetzt gehts auch schon wieder ab auf die sheep station um neue Abenteuer zu erleben<br /> <br /> <br /> <br />